Wappen

In Silber neben einer senkrecht stehenden blauen Raute ein an einer erhöhten blauen Schrägleiste hängendes grünes Seeblatt

 

Wappenbegründung

Die Motive wurden entnommen den Wappen des Wasserburger Ministerialengeschlechtes der Edlinger (Seeblatt) und des Klosters Attel (Raute); sie stehen für die frühere Geschichte des Ortes. Der noch im 15. Jahrhundert blühende Ortsadel hatte einen bedeutenden Herrschaftsbereich um Edling aufgebaut und war im Hochmittelalter mit dem Erbtruchsessenamt der Abtei Rott am Inn bekleidet. Das Kloster Attel war im 17. und 18. Jahrhundert in Edling Grundherr über die Mehrzahl der Anwesen und im Gemeindeteil Atzenthal Herr über die dortige Hofmark.

 

Chronik

Der Ort Edling liegt auf einer flachen Schotterebene inmitten des Moränen- und Schottergebietes des Inngletschers der letzten Eiszeit.

Die Ur-Leitzach trug ihr Geschiebe vor ca. 10.000 Jahren in den „Rosenheimer See“. Ihr Lauf nahm seinen Anfang in Westerham in nördlicher Richtung über Glonn, Steinhöring bis Edling. Nach Abfluss des „Rosenheimer Sees“ strebten die im Tal liegenden Gewässer dem tiefen Rosenheimer Stammbecken zu. Die Ebrach schaffte den Durchbruch nicht mehr und blieb dem Ort Edling als Heimatflüsschen erhalten. Aus dieser Eiszeit verblieben auch der Staudhamer See, der Kesselsee als typischer Toteiskessel und der Kristallsee. Aber bleiben wir bei der Ebrach. Bevor sie das Schmelzwassertal verlässt, durchfließt sie das ansehnliche Kirchdorf Edling und strebt dann, immer tiefer einschneidend, der Mündung beim Kloster Attel zu.

Vom sonst vorherrschenden Dorftyp der Umgebung unterscheidet sich Edling durch seine Größe und durch seine geschichtliche Bedeutung.

Die Besiedlung ist bis in die Steinzeit feststellbar. Hinweise befinden sich im Wasserburger Heimatmuseum. Zahlreich sind die Funde aus der Bronzezeit (ca. 1800 – 1200 v. Chr.). 1954 fand man bei der Anlage einer Versitzgrube in 80 cm Tiefe in Hochhaus bei dem Skelett einer Frau Grabbeigaben. Es handelte sich um eine sogenannte Hockerbestattung. Weitere Funde aus der späteren Bronzezeit waren das Oberteil einer Vasenkopfnadel (Brandstätt), eine Nadel und ein Dolch (Obersteppach).

Um 1200 klingt die Bronzezeit aus. Eisen ist der neue Wirkstoff.; Ackerbau die wirtschaftliche Grundlage der Völker. Die Grabbeigaben waren nach den Bedürfnissen der Lebenden zusammengestellt. Die Toten wurden auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Die Asche barg man in Tonurnen. Diese kamen in kleine Gruben, die friedhofsartig beieinanderlagen. Man sprach von der Urnenfelderzeit.

Ca. 1865 – 1872 wurde in Allmannsberg auf der Flur „Sandfeld“ ein derartiger Friedhof zerstört. Bei der Anlage eines Hopfengartens stieß ein Bauer auf mehr oder minder gut erhaltene Tongefäße, welche mit Knochen und Kohleresten angefüllt waren. Aus Unkenntnis beseitigte er ca. 50 Urnen. 1872 konnten zwei Urnen unversehrt geborgen und nach München geschickt werden. Diese Urnen weisen vielleicht auf eine Besiedelung um 1200 – 700 v. Chr. auf den Terrassen über der Attel und dem Inn hin.

In der Hallstattzeit ca. 750 – 450 v. Chr. (benannt nach dem Fundort in Osterreich) tritt das Eisen gleichberechtigt neben der Bronze als Werkstoff für Waffen, Werkzeuge und Schmuck auf. Den Bestattungsplatz kennzeichnet ein Grabhügel. Der gesellschaftliche Wandel setzt sich fort, der kriegerische Adel nimmt die Spitze der ständischen Gliederung ein. Sichtbarer Ausdruck sind die Fürstengräber. Neben der obersten politischen Herrenschicht gibt es den niederen Landadel und die Bauern. Für diese Periode lassen sich folgende Bezirke festlegen: Breitmoos, Brandstätt und der Umkreis von Breitbrunn; dazwischen Totenstadt im Forstbezirk Untersteinbuch. Die meisten Grabhügel wurden erforscht. Der Name „Freihofmoos“, den ein späteiszeitlicher Toteiskessel in der Nähte trägt, könnte auch an ein Gräberfeld erinnern. Das Moorgebiet von Breitmoos (in der Vorzeit ein See) und die Nähe der Ebrachniederung dürften ein herrlicher Siedlungsraum gewesen sein, zumal die Bauern die Waldweide für ihr Vieh bevorzugten.

In Breitbrunn stehen wir vielleicht dem ersten vorgeschichtlichen Gebäude gegenüber. In der Kiesgrube zeichnet sich ein viereckiger Hüttengrundriss – 11,50 m breit und 19,70 m lang – ab, der in der Mitte eine Feuerstelle aufweist. Bei dieser fanden sich drei Mahlsteine aus Granit. Das Haus könnte ein Ständerbau mit lehmbeworfenen Flechtwerkwänden gewesen sein, wie es alle Häuser dieser Periode waren, bis die Römer den Steinbau einführten..

Die neue Zivilisationsstufe um die Jahrtausendmitte, die La-Tène-Zeit (benannt nach einem Fundort in der Westschweiz), die die Hallstattzeit ablöst, wird 15 v. Chr. von der provinzialrömischen Kultur überdeckt. Entscheidende Anregungen für Handwerk und Kunst kamen aus dem etruskischen und griechischen Fernhandel. Hauptträger dieser Kultur sind die Kelten. Ihre Geschichte liegt noch im Dunkeln, aber die ersten Geschichtsschreiber kennen sie bereits. Ihre Wanderungen, ihre Kriegslist und ihre Tapferkeit spiegeln sich in den sorgenvollen und erbitterten Berichten antiker Geschichtsschreiber wider.

Die genaue Stammesverteilung in unserer Region lässt sich nicht sicher erschließen. Nach der Inschrift des Siegerdenkmals von La Tourbie bei Monaco, die die Keltenstämme wohl nach geografischer Lage nennt, lassen sich die Cattentatten in der Mitte der bayerischen Hochebene, zwischen Isar und Inn, festlegen. Mit Sicherheit haben sie sich mit den Ureinwohnern vermischt und ihre Kultur und Sprache eingebracht. Als keltische Sprachrückstände haben sich Flussnamen wie Attel, Rott und Glonn erhalten. Aus dieser Zeit fand man drei Gräber mit drei weiblichen Personen. Im Jahre 1939 wurden durch Baggerarbeiten in der Kiesgrube bei Schäching mehrere Flachgräben zerstört. Als die Kelten neben Einzelhöfen und Dörfern auch befestigte Städte wie Manching bewohnten, wurde bei Obersteppach eine Viereckschanze angelegt. Sie war im Baugedanken den römisch-gallischen Umgangstempeln nahe stehend, hinter deren Umfriedung sich einst ein hölzerner Bau erhob. Die Kultstätte lag nicht mitten im Siedlungsgebiet. Ihre Aufgabe in der gesellschaftlichen Ordnung ist unklar, aber sie war sicher der religiöse Brennpunkt des Landes, in dem Druiden einen großen Einfluss hatten. Die Schanze ist heute stark überpflügt und zum Teil abgetragen.

Im Jahre 15 v. Chr. gelangte das Gebiet unter römische Oberhoheit. Sie errichteten Verwaltungsprovinzen wie Vindelizien Norikum und Rätien, in denen sich im Laufe der Zeit eine provinzial-römische Mischkultur herausbildete. Nichts deutet darauf hin, dass es in unserem Landkreis zu militärischen Auseinandersetzungen kam. Als Siedlung aus dieser Zeit ist uns z. B. Bedaium (Seebruck) bekannt.

20 Jahre nach der Eingliederung sollten die Donauländer als Aufmarschbasis gegen das freie Germanium dienen. Der Aufstand Panoniens um 9 n. Chr. vereitelte dies. Die folgenden Jahre brachten eine Neuordnung der rätischen Gebiete.

41 – 54 n. Chr. wurden unter Kaiser Claudius vindelikische und rätische Landstriche zur Provinz Rätien zusammengeschlossen. Hauptstadt wurde Augusta Videlikum (Augsburg).

Aus etwas späterer Zeit sind uns Pons Aeni (Westerndorf St. Peter) und Turum (angeblich bei Haag) bekannt. Unter Domitian endete das Vordringen der Römer ins Alpenvorland.

Das nächste Jahrhundert steht ganz im Zeichen des Friedens. Ausgedehnte Straßenanlagen entstehen und bilden die Voraussetzung für militärische Sicherung und Handel. 161 – 180 n. Chr. findet unter Kaiser Marc Aurel die friedliche Entwicklung ein jähes Ende. Fremde Volksstämme fallen ein. Dies war Anlass, die Legion III Italica nach Regensburg zu verlegen. Die Nord-Süd-Straße durch unser Kreisgebiet entstand. Ein hartes Los traf nun die Leute unseres Gaues, denn heimgekehrte Soldaten aus dem Osten brachten die Pest mit, die unzählige Opfer forderte.

193 – 211 n. Chr. sorgte Kaiser Septimuns Serverus für eine Wiederherstellung der Straße, die am linken Innufer entlang führte. Westerndorf St. Peter zog großen Nutzen daraus, denn ihre Töpfereien für Terra-Sigillata erreichten sogar Ungarn. Bei dem Weiler Steingassen überquerte die römische Straße die Attel.

Nun werden die Altstraßenspuren sehr deutlich. Den Hang hinauf zieht sich ein alter, lange noch benutzter Hohlweg, der auf halber Höhe des Berges in einen Rampenweg übergeht, der in Breitbrunn mündet. Beim Weiler Daburg fällt die sogenannte „Weinleit´n“ ins Auge (Weinanbau der Römer). Hier vermuten wir auch eine sehr frühe Festung. Die „Straßenäcker“ zwischen Hart und Breitbrunn, das „Straßenland“ im Harter Feld, dann die „Steinbreiten“ und das „Altstraßland“ bei Dirnhart geben weitere Hinweise auf die Römerstraße. Scherben und Fundamentreste aus Übermoos, Fibeln aus dem Walddistrikt Steinbuch und Fundmünzen aus dem Gebiet Steppach sind ebenfalls Anhaltspunkte für die Straße. Östlich von Dirnhart zweigt von der heutigen Gemeindestraße das „Samerstraßerl“ ab, das wiederum der Römerstraße folgt. Beim Bau der Kanalisation fanden sich beiderseits des Weges die Spuren eingefüllter Materialgruben. Nördlich von Steppach, etwa 150 m an der keltischen Viereckschanze vorbei, betritt sie nahe der Hohenlindener Straße das „Strassholz“, wo der Straßendamm sehr deutlich wird und gut erhaltene Materialgruben den Verlauf der Straße beweisen. Diese Beschreibung der römischen Straße ist aus dem Itinerarium Antonini.

Mit der Unterwerfung der Römer durch Odoaker (476 n. Chr.), der 13 Jahre später durch den Ostgotenkönig Theoderich besiegt wurde, fiel zeitlich etwa der letzte Abschnitt der Völkerwanderung zusammen.

Die Bajuwaren drangen in den bayerischen Raum ein und siedelten sich auch in unserem Gebiet an. Viele Ortsnamen mit den Endsilben –ing und –ham erinnern an diese Zeit.

Unter den Agilofingern entstand das erste bayerische Stammherzogtum. Es war nicht straff durchorganisiert, kein abgegrenzter Territorialstaat. Es war vielmehr ein stammesmäßig strukturierter Siedlungs-, Rechts-, Schutz- und Kulturverband der einbezogenen Volksstämme unter Banngewalt des Herzogs als oberster Gerichtsherr, Friedensverwahrer und Kriegsherr. Verwaltungsmäßig war es in vier Gaue unterteilt. Das heutige Edling lag im Sundergau.

Unter den Agilofingerherzögen setzte eine starke Kolonisationstätigkeit ein, die durch ins Land gerufene Mönche vorangetrieben wurde. Hand in Hand ging damit die Christianisierung. Von den damals entstandenen Mönchsniederlassungen sind die Klosterzellen Garoz (Gars) und Attel (St.-Michaels-Zelle) bereits seit 807 bekannt.

Die Selbständigkeit des bayerischen Herzogtums konnte nicht gehalten werden. Es wurde den Franken unterstellt. Die Grafen erhielten große Macht. Ihr Amt wurde zu Lehen. Viele freie Bauern unterstellten sich den Grundherren, die sie vom drückenden Heerbann befreiten, ihnen gegen relativ geringe Zinsleistung ihre Güter zur Nutzung überließen und auch in Notzeiten gewisse Hilfe leisteten. Diese von den Grundholden als eine Art Versicherung empfundene Abhängigkeit führte später zu einem für die Bauern drückenden Abhängigkeitsverhältnis, das erst im 19. Jahrhundert aufgehoben wurde. Nach dem Zerfall des Frankenreiches erneuerte sich das bayerische Stammherzogtum.

Nach diesem geschichtlichen Überblick wollen wir uns nun wieder dem Ort Edling zuwenden.

Um 930 nennt das Ebersberger Cartular einen Adolt de Etelingen, der vermutlich zum Ortsadel gehörte. Eine Salzburger Urkunde für Admont führt um 1225/1240unter den Zeugen einen Friedrich von Edling, einen Liutwin von Edling sowie einen Ministerialen Heinrich von Edling auf. Ferner sind 1201 und 1233 unter den Wasserburger Ministerialen Edlinger genannt. Dieses Geschlecht erscheint in den Handschriften des Mittelalters sehr häufig. Ein Perthold von Edlingen vermachte dem Stift Baumburg, als er auf dem Sterbebett lat, zwei Hörige, die der Prister Ascwin 1130 dem Kloster überreichte.

Peter Ettlinger ließ 1400 Haintzel Hilpraht von Ettling und Friedel Choren von Ettling ins Gefängnis legen, weil sie gegen die Vorschriften des Lehnrechts Güter empfangen hatten. Bei ihrer Entlassung am 12.04.1400 gaben sie die Lehnsbriefe, die sie sich von Herzog Stephan über die Lehen zu Ettling unbefugter Weiser hatten anfertigen lassen, dem Peter von Ettling zurück. Die beiden Sünder verpflichteten sich, ihre „Atzung“ von 32 Gulden selbst zu entrichten.

Elisabeth von Ettlingen überließ durch letztwillige Verfügung dem Heiligengeistspital von München einen Hof, der 1286 um „6 Pfund Pfennig“ an das Kloster Dietramszell veräußert wurde.

Die Edlinger waren Ministeriale der Grafen von Wasserburg und von den westlich des Inns sitzenden Geschlechtern wohl die bedeutendsten. Von ihrem Herrschaftsbereich ist zwar nichts übrig geblieben, doch knüpfte der spätere Amtssitz daran an. Die Edlinger besaßen eine Burg im heutigen Hochhauser Holz unmittelbar am Weiher. Der vom Quellweiher ausgehende Wassergraben ist noch vorhanden. Der Name Hochhaus selbst weist schon auf einen Herrensitz hin. Im Hochmittelalter hatten die Ortsadeligen einige Zeit das Erbtruchsesamt des Klosters Rott inne.

Im 15. Jahrhundert zählten Angehörige dieses Geschlechts zum Wasserburger Stadtbürgertum. Bestimmt kann man den Rentmeister Jörg Ettinger dazurechnen. Später tauchten die Krätzl von Edling auf, die von den Zellern und Katzbachern abstammten.

In den Gründungsurkunden des Klosters Attl (1137) erfahren wir, dass unter den Besitzungen 1040 auch „Etelingen“ war.

Nach dem Erlöschen des Wasserburger Grafengeschlechts, zu dessen Ministerialität die Herren von Edling gehörten, kam das Land in die Hände der Wittelsbacher. So entwickelte sich der Edlsitz nicht mehr zur Hofmark.

Vom Ettlinger Gericht hören wir auch aus einer Urkunde von 1417, die als Gerichtsuntertanen die Bauern Chunrat Gerer, Ulrich Fussel, Ull Neuhofer und Martel Füssel aufzählt. Das Landgericht Wasserburg war 1760 in zwei Schergenämter unterteilt. Nach dem landgerichtlichen Hofanlagebuch 1760 gliederte sich das Amt Edling in 20 Obmannschaften. Aus der Auflistung 1/1, 1/2, ¼ usw. kann man die Angaben über Zinslast sowie Scharwerksdienstleistungsverpflichtungen gegenüber dem Grundherrn ersehen, die von der Hofgröße bzw. den Ernteerträgen abhängig war.